Assoziation


Assoziation

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As|so|zi|a|ti|on 〈f. 20
1. Vereinigung, Zusammenschluss
2. (unwillkürl.) Aneinanderreihung, Verknüpfung von Vorstellungen; Ggs Dissoziation (1)
3. 〈Chem.〉 Vereinigung mehrerer Moleküle in Flüssigkeiten zu größeren Gebilden, die durch zw. den Molekülen wirkenden Kräften zusammengehalten werden
4. 〈Bot.〉 Pflanzengesellschaft
5. 〈Astron.〉 Gruppe von dicht beieinanderstehenden Sternen mit ähnl. Eigenschaften
[<frz. association „Verbindung“ <lat. ad „zu“ + socius „Gefährte“]

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As|so|zi|a|ti|on [lat. associare, associatum = sich verbinden, beigesellen]: die im Allg. nur durch schwache zwischenmolekulare Kräfte bewirkte Vereinigung von Molekülen zu größeren Verbänden (Assoziate), z. B. Dimere (H2F2, As4S6), Polymere ((H2O)n), Excimere, Einschluss- u. a. Molekülverbindungen, Mizellen (Assoziationskolloide). – Ggs.: Dissoziation.

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As|so|zi|a|ti|on, die; -, -en [frz. association]:
1. (bildungsspr.) ursächliche Verknüpfung von Vorstellungen:
-en erwecken, auslösen, erzeugen;
eine bestimmte A. haben.
2. (bes. Politik) Zusammenschluss, Vereinigung:
die A. afrikanischer Staaten;
in A. mit den Nachbarländern.

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Assoziation
 
[französisch; zu lateinisch associare »beigesellen«, »vereinigen«] die, -/-en,  
 1) allgemein: Vereinigung, Zusammenschluss; bildungssprachlich: (unwillkürliche) Verknüpfung von Vorstellungen.
 
 2) Astronomie: Sternassoziationen.
 
 3) Chemie: die Vereinigung zweier oder mehrerer gleichartiger Einzelmoleküle zu größeren Molekülverbänden. Z. B. besteht Fluorwasserstoff in konzentrierter wässriger Lösung großenteils aus Doppelmolekülen (HF)2, im Gaszustand aus Mehrfachmolekülen (HF)n. Wasser (H2O)n und verflüssigtes Ammoniak (NH3)n haben wegen der Assoziation einen verhältnismäßig hohen Siedepunkt. Manche organische Säuren zeigen je nach dem Lösungsmittel verschiedene Assoziationen; so liegen Essigsäure oder Benzoesäure in Wasser monomolekular, in Benzol aber bimolekular vor. Viele organische Stoffe, v. a. Farbstoffe, assoziieren in konzentrierten wässrigen Lösungen. Der Zusammenhalt der Assoziate besteht durch zwischenmolekulare Kräfte (Wasserstoffbrückenbindungen, elektrostatische Wechselwirkungen); beim Erhitzen zerfallen die Assoziate in die monomolekularen Bestandteile.
 
 4) Geschichte: Zusammenschluss besonders der südwestdeutschen Reichskreise zur Sicherung der Westgrenze des (Heiligen Römischen) Reichs gegen die militärische Bedrohung durch Frankreich, so die 1697 in Frankfurt am Main (Frankfurter Assoziationsrezess) auf Initiative von Baden und Kurmainz geschlossene Assoziation, die 1702 nach Ausscheiden der bayerischen und westfälischen Reichskreise mit Hinzutreten des österreichischen Reichskreises erneuert wurde (Nördlinger Traktat) und die Rheinlinie militärisch sichern sollte. Zur Absicherung seiner dynastischen Politik drängte Kaiser Karl VI. 1727 auf die Erneuerung, die 1733 und 1747/48 vorgenommen wurde.
 
 5) Pflanzensoziologie: Grundeinheit, die eine möglichst konstante Artenkombination aufweist, mit mindestens einer Charakterart, die regelmäßig wiederkehrt, und typischen Begleitpflanzen, die mit mehr als 60 % Wahrscheinlichkeit vorkommen. Die Assoziation wird durch die Endung -etum gekennzeichnet, die dem Gattungsnamen einer Charakterart angehängt wird (z. B. Buchenwald »Fagetum«, Eichen-Hainbuchen-Wald »Querceto-Carpinetum«). Eine Assoziation kann je nach Standortbedingungen (z. B. trocken oder feucht) in Untereinheiten (Subassoziation) untergliedert werden, die sich wiederum durch bestimmte Artengruppen, die Differenzial- oder Kennarten (z. B. Trocken- oder Feuchtezeiger) unterscheiden.
 
 6) Psychologie: eine Verbindung zwischen Erlebnisinhalten aufgrund individueller Erfahrung. Auf das Bestehen einer Assoziation wird geschlossen, wenn beim Wahrnehmen eines Inhalts ein anderer zur Erinnerung kommt, z. B. wenn beim Hören des Wortes »Blitz« sofort die Vorstellung »Donner« auftaucht. Derartige Verbindungen existieren in jedem Gedächtnis in unabsehbarer Zahl und sind für dessen Leistungen von größter Bedeutung. Assoziationen stehen nicht isoliert, sondern bilden untereinander ein äußerst komplexes Beziehungsnetz mit vielfältigen Wechselwirkungen, die das Erinnern fördern oder hemmen. Von Assoziationsketten, Aneinanderreihungen von Assoziationen, die sich über mehrere Glieder erstrecken, werden meist nur Anfang und Ende bewusst. Der größte Teil des Assoziationsbestandes und seiner Zusammenhänge bleibt überhaupt unbewusst.
 
Assoziative Verbindungen können u. a. zwischen Vorstellungen (»Ideenassoziation«, nach J. Locke, auf den der Begriff der Assoziation zurückgeht), Gefühlen, Empfindungen, auch wie beim bedingten Reflex, der »gelernten« Koppelung von Reiz und Reaktion, zwischen körperlichen und seelischen Vorgängen auftreten. Die Assoziationspsychologie nimmt Assoziationen als Grundprinzipien aller psychischer Vorgänge an.
 
Die assoziative Verknüpfung erfolgt nach Regeln (Assoziationsgesetze), von denen die wichtigsten bereits von Aristoteles sowie später von den englischen Empiristen (Locke; D. Hume) beschrieben wurden. Die primären Assoziationsgesetze erklären das Entstehen von Assoziationen nach den Prinzipien der Ähnlichkeit, des Kontrastes, der Kontiguität (zeitliche und räumliche Nähe), nach Hume auch nach dem Prinzip Ursache-Wirkung zwischen den erlebten Inhalten. Als sekundäre Assoziationsgesetze ergänzte der schottische Philosoph Thomas Brown (* 1778, ✝ 1820) Lebhaftigkeit, Neuheit und häufige Wiederholung von Assoziationen als begünstigende Bedingungen für ihr erneutes Auftreten. Bleibt die Wiederholung der gleichen Erfahrung aus, wird die Assoziation allmählich unwirksam, d. h. es kommt zum Vergessen. Weiterhin sind für die Bildung einer Assoziation emotionale Faktoren (Bedürfnisse, Interessen) maßgebend.
 
Nach der Begründung der Gedächtnispsychologie durch H. Ebbinghaus (1885) wurden die Assoziationen von der allgemeinen Psychologie experimentell erforscht, wobei sich bald zeigte, dass die theoretischen Standpunkte der älteren Assoziationspsychologie nicht haltbar waren. Assoziationen haben als Erklärungsprinzip (Assoziationstheorie) für die psychologische Lernforschung (Lernen) eine große Rolle gespielt und werden heute u. a. zur Erklärung einzelner Lernvorgänge (z. B. Entstehung von Wortbedeutungen, verbales Lernen) sowie in der Sprachwissenschaft zur Definition der assoziativen Bedeutung eines Begriffs herangezogen. - Als Erfahrungstatsache ist die Assoziation unbestritten, und die dazu unternommenen experimentellen Untersuchungen haben sowohl für die psychologische Grundlagenforschung als auch für die praktische Psychologie wichtige Ergebnisse gebracht (Assoziationsversuch).
 
 7) Recht: Koalitionsrecht, Vereinigungsfreiheit.
 
 8) Soziologie: der freiwillige Zusammenschluss von einzelnen oder Gruppen zur Verwirklichung gemeinsamer Interessen; in der formalen Soziologie (L. von Wiese) Bezeichnung für integrative gesellschaftliche Prozesse des Zueinander und Miteinander im Gegensatz zur Dissoziation. Mit der Theorie der differenziellen Assoziation versucht E. H. Sutherland das kriminelle Verhalten auf kommunikative Anpassungsprozesse (assoziative Zustimmung zu Definitionen, die das Verbrechen billigen) zurückzuführen.
 
 
L. von Wiese: System der allg. Soziologie als Lehre von den sozialen Prozessen u. den sozialen Gebilden der Menschen (31955).
 
 9) Sprachwissenschaft: die assoziativen Beziehungen zwischen sprachlichen Zeichen. Man unterscheidet u. a. klangliche Assoziation (z. B. »Herz« und »Schmerz«), inhaltliche Assoziation (z. B. »Chef« und »Vorgesetzter«) und formale Assoziation (z. B. »tags« und »nachts«).
 

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As|so|zi|a|ti|on, die; -, -en [frz. association]: 1. (bildungsspr.) ursächliche Verknüpfung von Vorstellungen: -en erwecken, auslösen; Das Wort Macht ... kann in den Köpfen ... sehr verschiedenartige -en erzeugen (Heym, Schwarzenberg 21); eine bestimmte A. haben; bemerkenswerte -en zur Gegenwart im thematischen und formalen Bereich (Saarbr. Zeitung 27. 12. 79, 4). 2. (bes. Politik) Zusammenschluss, Vereinigung: die A. afrikanischer Staaten; während ... den Palästinensern Selbstregierung in A. mit Jordanien gewährt werden soll (NZZ 30. 1. 83, 2).

Universal-Lexikon. 2012.

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